Wenn keiner den Zahlen aus der KI traut
Die teuerste KI im Office of Finance ist die, der keiner traut. Sie läuft, sie rechnet, die Prognose steht auf dem Schirm. Dann kommt der Moment, in dem wirklich etwas entschieden wird, und der Finanzchef greift an der KI vorbei zur alten Excel-Tabelle. Oder jemand sagt den einen Satz, der alles verrät: das prüfen wir noch von Hand.
Diese Szene habe ich in den letzten Jahren oft erlebt, in Projekten und in Beiratsmandaten. Fast nie lag es an der Technik. Es lag daran, dass dem Ergebnis im eigenen Haus keiner traute. Eine Zahl, der keiner traut, kostet genau das, wofür die KI angeschafft wurde: schnellere und sicherere Entscheidungen.
Eine Zahl, die keiner unterschreibt, ist wertlos
Im Office of Finance ist Vertrauen die harte Währung, nicht Rechenleistung. Eine Prognose zählt erst, wenn jemand bereit ist, sie zu vertreten. Vor dem CFO, vor dem Inhaber, vor dem Beirat. Tut das keiner, war das Projekt teuer und folgenlos.
Die eigentliche Frage ist also nicht, ob die KI rechnen kann. Sie kann. Die Frage ist, warum kluge Leute dem Ergebnis trotzdem nicht über den Weg trauen. Drei Gründe sehe ich immer wieder.
Erstens: Die Daten widersprechen sich
Vertrieb, Controlling und Produktion arbeiten mit eigenen Zahlen. Drei Quellen, drei Wahrheiten. Lässt man eine KI darüberlaufen, erbt das Ergebnis den Widerspruch, nur sieht man ihn jetzt nicht mehr. Der Führungskreis merkt, dass etwas hakt, ohne den Finger draufzulegen. Und niemand traut einer Zahl, wenn er die Daten dahinter selbst für unsauber hält.
Zweitens: Keiner hat vorher die Frage gestellt
Oft wird zuerst die Software gekauft und erst danach überlegt, wozu eigentlich. Dann produziert das System Auswertungen, die zu keiner Entscheidung passen, die jemand wirklich treffen muss. Eine Prognose ohne Steuerungsfrage ist eine Antwort, zu der die Frage fehlt. Man nickt sie ab und legt sie weg.
Drittens: Das Ergebnis ist eine Blackbox
Die Zahl ist da, der Weg dorthin nicht. Welche Annahmen, welche Daten, welche Logik. Was man nicht erklären kann, unterschreibt man nicht, im Beirat schon gar nicht. Kein Finanzchef stellt sich vor das Gremium und verteidigt eine Zahl, bei der er auf die erste Nachfrage passen müsste.
Das Problem entsteht vor der Technik
Keiner dieser drei Gründe ist ein technischer. Alle drei entstehen früher, an der Naht zwischen Office of Finance und IT, dort, wo man zusammenarbeiten müsste und es oft bleiben lässt. Die IT baut, was bestellt wurde. Der Fachbereich bestellt, ohne die Steuerungsfrage zu klären. Am Ende wundern sich beide, dass das Ergebnis niemanden überzeugt.
Wer das drehen will, beginnt bei der Reihenfolge, lange vor der nächsten Software. Zuerst die Frage, die das Ergebnis beantworten soll. Dann eine Datenbasis, auf die sich alle einigen. Dann ein Ergebnis, das man nachrechnen kann. Klingt unspektakulär. Genau deshalb überspringen es die meisten.
Wo Ihr Office of Finance in diesen drei Punkten steht, lässt sich in einem halbstündigen Gespräch ziemlich genau sagen. Wenn Sie das gerade umtreibt, melden Sie sich.